Archiv der Kategorie 'Unterwegs'

Rebell: Lucio Urtubia

Rebell | Lucio Urtubia

Urtubia geht im Morgengrauen zur Arbeit als Maurer, danach verbringt er Stunden in den abgedunkelten Räumen, wo die Druckmaschinen rattern.*

Kreuzberg | 05.08.2017. Ein Baske in Paris. Ein Anarchist in Aktion. Ein Ar­beiter in Solidarität. Bankräuber und moderner Robin Hood. Fälscher und doch authentisch. Alles Beschreibungen, die auf Lucio Urtubia zutreffen und doch sind alle Versuche, einen der umtriebigsten sozial-politischen Fälscher, Bankräuber und Organisatoren der anarchistischen Bewegung zu beschreiben, unzureichend. [weiter lesen…]

Rebell: Camilo Torres

Rebell | Camilo Torres

Warum sollen wir streiten, ob die Seele sterblich oder unsterblich ist, wenn wir beide wissen, dass Hunger tödlich ist.*

Kreuzberg | 12.07.2016. Befreiungstheologe, Soziologie-Dozent und eigent­lich katholischer Priester, darüberhinaus Aktivist der 1964 gegründeten kolumbianischen Guerillaorganisation ELN. Eine aus heutiger Sicht höchst ungewöhnliche Kombination an Beschreibungen. Und doch, für Camilo Torres kein Widerspruch. [weiter lesen…]

Rebell: Augustin Souchy

Rebellin | Augustin Souchy

Mein herrschaftsfreies Streben galt stets der Errichtung
einer gewaltlosen Ordnung an Stelle der organisierten
Gewalt.
*

Kreuzberg | 9.03.2015. »Die lange Hoffnung«, so der Titel eines von der Medienwerkstatt Freiburg 1983 produzierten Dokumentarfilms mit der schweizer Anarchistin Clara Thalmann und einem der bekanntesten deutschsprachigen Anarchisten, Augustin Souchy. Beide begaben sich nach Spanien, um an Orten des Spanischen Bür­ger­­krieges, der internationalen Kampf­­­front gegen den Faschismus, an denen sie selbst kämpften, Erinnerungen nachzugehen und erneut in heftige Debatten zu geraten.
Der »Student der Revolution«, wie sich Souchy selbst bezeichnete, war in der Zeit des Spanischen Bürgerkrieges im internationalen Büro der Internationalen Arbeiter-Assoziation [IAA] tätig, da er schon zu dieser Zeit autodidaktisch zahlreiche Sprachen erlernt und einige Male vor dem Putsch Francos 1936 Spanien bereist hatte. [weiter lesen…]

Rebell: Salvador Puig Antich

Rebell | Salvador Puig Antich

Wir handeln, um uns in der Zukunft zu schützen, das Gewicht der Gegenwart spürend, in welchem die Wurzeln liegen für den Grund des Daseins.*

Kreuzberg | 30.3.2013. Der Film »Salvador – Der Kampf um die Freiheit« kam im September 2007 in die bundesdeutschen Kinos. In der Hauptrolle war Daniel Brühl zu sehen. Eine einerseits wohlwollende Würdigung des Lebens und der bewaffneten Politik von Salvador Puig Antich. Andererseits ein Mach­werk, dass wenig gesellschaftliche Hintergründe ausleuchtet oder kaum die generellen politischen Motivation der Akti­vist_innen vermittelt. Am Ende blieb eine gehörige Portion Abenteuertum übrig.
Der sozial-poltische Hintergrund Salvador Puig Antichs als eines von sechs Kindern einer Arbeiterfamilie wurde u.a. deutlich durch seinen Vater, der zur Zeit der II. Spanischen Republik Mitglied der »Acció Catalana« war und nach Frankreich flüchten musste, da er zum Tode verurteilt worden war. Salvador flog schon als Jugendlicher wegen »mangelnder Diziplin« von seiner stark religiösen Schule, ging aber an­schließend zur Abendschule, wo er bereits Freunde traf, die später Mitglieder des Movimiento Ibérico de Liberación [MIL] wurden. [weiter lesen…]

Hoffnung lebt weiter – zum Tod von Hugo Chavez

Constitución de Venezuela

Unsere politischen Führer gehen von Gipfel zu Gipfel, aber unsere Völker gehen von Abgrund zu Abgrund.*

* Chávez in der Schlusssitzung des Weltgipfels in Johannesburg für die Gruppe der so genannten Entwicklungsländer | 4.9.2002

5.3.2013 | Caracas | Venzuela. Um 16:47 Uhr wurde der Tod des schwer krebskranken venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez Frias festgestellt. Weltweit gibt es Kommentare zu seinem Tod. Nach 14 Jahren Präsidentschaft ist dies trotz des Wissens um seine Krankheit ein schwerer Schlag für Venezuela und die Entwicklungen rund um die Idee des Sozialismus des 21. Jahrhunderts in Südamerika.
Chavez steht für einen Weg realpolitisch den Versuch zu starten den Kapitalismus (nicht nur in seinem Land) umzukrempeln, ohne dabei von vorneherein als Reformer aufgetreten zu sein. Im Gegenteil, sein Programm war die Revolution (in der Revolution). Ein Verständnis von grundsätzlicher Veränderung zur Teilhabe der Ausgeschlossenen vom gesellschaftlich durch alle erzeugtem Reichtum. Breit angelegte Sozialprogramme gegen Armut, für gesundheitliche Versorgung, Bildung aller und Selbstermächtigung mit Hilfe der verdammten Ölressourcen des Landes, hat sich als unmittelbar gangbarer Weg zur Bekämpfung sozialer Not erwiesen. Politisch sind die Versuche der kommunitären Selbstverwaltung/Selbstbestimmung (Consejos Comunales) aufsehend erregend und ein zarter Anfang, zur Realisierung der Vorstellung eines prinzipiell anderen Aufbaus zur Produktion gesellschaftlich notwendiger Güter und der politischer Basisentscheidungen. [weiter lesen…]

Rebell | Alí Primera

Rebell | Ali Primera

Wie erbärmlich leben die Kinder in den Häusern aus Pappe.
Wie glücklich leben die Hunde im Hause des Ausbeuters.
Ihr werdet es nicht glauben, aber es gibt Schulen für Hunde,
und sie lassen ihnen Bildung angedeihen,
damit sie die Tages­zeitungen nicht anknabbern,
aber der Herr, seit Jahren, vielen Jahren schon,
betrügt er den Arbeiter.
*

Kreuzberg | 1.12.2012. Im Alter von 18 Jahren zog Alí Primera 1960 mit seiner Mutter und zwei Brüdern in die Hauptstadt Vene­zuelas. Als 6-jähriger hatte er als Schuhputzerjunge arbeiten müssen und später zählte auch die Profession als Boxer zu seiner Überlebensstrategie. Trotz ärmlich­er Verhältnisse schaffte Alí Primera 1964 seinen schulischen Abschluss und schrieb sic⁄h an der Universität Central Caracas im Fach Chemie ein. Als Stundent begann er als Sänger und Komponist zu wirken. Seinen ersten Auftritt hatte er 1967 an der Andenuniversität auf einem Protestfestival. [weiter lesen…]

Freiheit für Álvaro Paredes!

Plakat für die Freiheit von Alvaro
Plakat zur Unterstützung und für die Freiheit von Álvaro Paredes

Quito | 28. Januar 2011. Wir stehen vor einer Stahltür im Norden Quitos, es ist Mittwoch, der 26. Januar, 11 Uhr. Es ist die Stahltür des »Carcél 4«, eines Gefängnisses in Quito, in dem normalerweise Politiker und Polizisten untergebracht sind, wenn sie auf der juristischen Ebene in Ungnade gefallen sind. Wir wollen einen jungen Antifaschisten von 20 Jahren besuchen; er sitzt seit Mai 2010 ein. Es ist Álvaro Paredes, dem vorgeworfen wird, den Faschisten Abraham Chimborazo erstochen zu haben.
»¡Defender tu vida no es un delito!« [Sein Leben zu verteidigen ist kein Delikt], so die Leitparole in der Kampagne für die Freiheit von Álvaro. Um dies zu unterstreichen stellte sich Álvaro zwei Wochen nach den für ihn tragischen Ereignissen der Justiz, unter der von den damaligen Anwälten herausgehandelten Voraussetzungen, dass er die Untersuchungshaft in eben jenem »Carcél 4« absitzen wolle. [weiter lesen…]