Archiv der Kategorie 'Profession'

Rebell: Clément Moreau

Rebell | Clément Moreau

Ich war nie in einer Partei, ich bin ein menschlicher Gebrauchsgrafiker und jedermann, der meine Arbeit gebrauchen kann, dem gehört sie.*

Kreuzberg | 10.10.2012. Ausreissen, abhauen und flüchten sind Hinweise auf Eingesperrtsein, Freiheitsdrang und Verfolgung. Schon mit 11 Jahren kam Clément Moreau – nach dem Tod seiner Mutter kurz vor dem I. Weltkrieg – in ein katholisches Kinderheim, in dem ihm eine regide »preussische Erziehung« zu Teil wurde. Immer wieder riss er aus, wurde eingefangen und abgestraft.
Mit 16 ging er in die Lehre als Maler, schloss sich schon in dieser Zeit dem Spartakusbund an – es war Revolutionszeit in Deutschland – wurde aber 1919 durch Verrat seines eigenen Vaters verhaftet und erhielt sechs Jahre Zuchthaus. Nach drei Jahren und vier Monaten – die meiste Zeit in Einzelhaft – wurde er entlassen und ging 1926 nach Berlin. [weiter lesen…]

Rebell: Heinz Kiwitz

Rebell | Heinz Kiwitz

Guernica, Konzen­trations­lager und Krieg gegen die Religion – was hat deutsche Kunst mit diesem Totentanz der mensch­lichen Kultur anders zu schaffen, als dass sie die Geissel schwingt gegen diesen Gewalt­marsch in die Barbarei?*

Kreuzberg | 6.5.2012. Aus Angst vor weiteren Repressalien vernichtete der Duisburger Holzschnitzer Heinz Kiwitz 1934 einen Großteil seiner Arbeiten. Kiwitz war gerade aus dem KZ Börgermoor/Papenburg entlassen worden. Ein Jahr zuvor war er dorthin wegen »antifaschistischer Tätigkeit« und »gesellschaftskritischer Arbeiten«** verschleppt worden, nachdem er seine Duisburger, kommunistische Freundin im Gefängnis besucht hatte. Mit der Machtübertragung auf die Faschisten, hatten die SA-Schlägertrupps sein Atelier in Berlin überfallen. [weiter lesen…]

Rebell: John Heartfield

Rebell | John Heartfield

Ja, was soll den Arbeitern die Kunst?
Haben die Maler ihren Bildern die Inhalte gegeben,
die dem Befreiungs­kampf der arbeitenden Men­schen entsprechen,
die sie lehren sich zu befreien
aus dem Joch tausend­jähriger Unterdrückung?!
Sie haben die Welt trotz all dieser Schande
im beruhigenden Lichte gemalt.
*

Kreuzberg | 30.3.2012. Die Wahrheit setzt sich aus Fakten zusammen. Die Anordnung der Fakten, ihre Betrachtungsweise entscheidet über die Wahrnehmung von Wahrheit. So könnte das philosophisch-politische Konzept der Fotomontage von John Heartfield beschrieben werden. Er gilt als der große Könner und Erfinder der gesellschaftskritischen Foto­montage/-kollage. Fakten sind hier Teile der Wirklichkeit, fotografisch dokumentiert; die anschließend neue Kon­textualisierung entspricht dem Aufmachen einer neuen Pers­pektive, einer anderen Wirk­lichkeit.
Aufgrund der Bedeutung des Fotos als Abbild der Realität war die Fotomontage ein höchst geeignetes Mittel politischer Agitation und ethischer Erziehung. Die Fotografie war erste Mitte/Ende des 19. Jahrhunderts entstanden, dementsprechend aufsehend­erregend waren somit auch die fotografischen Kompositionen Heartfields. [weiter lesen…]

Rebell: Gerd Arntz

Rebell | Gerd Arntz

Gerd Arntz said goodbye to his bourgeois background and committed himself to the struggle of the under­privileged workers. […] he has continually criticized social inequality, exploitation and war in clear-cut prints – activism with arti­stic means.*

Kreuzberg | 2.9.2011. Piktogramme, der Versuch einer universellen Symbolik, gar einer allgemein verständlichen Sprache, jenseits von Sprach- und Kulturgrenzen. Statistik, die nicht lügt, umgesetzt in Form einer grafischen Darstellung, die für die Betrachtenden inhaltlich nachvollziehbar ist und sich nicht im Trugbild der Ästhetisierung verliert. So könnte das Anliegen des Grafikers Gerd Arntz beschrieben werden. Darüber hinaus versuchte der in den 1920er Jahren anarchistisch orientierte Arntz durch konstruierte auf Symbole konzentrierte Grafiken, komplexe gesellschaftliche Zustände abzubilden, die gleichzeitig einen aufklärerischen und didaktischen Zweck erfüllen sollten. [weiter lesen…]

IKONEN ZUM ANFASSEN

Berlin. Kreuzberg. 3. Juli 2011. In den folgenden Wochen wird hier mein Abschlussprojekt »Ikonen zum Anfassen« dokumentiert. »Ikonen zum Anfassen« entstand als Abschlusspraxisprojekt des 6. Semesters Druck- und Medientechnik an der Beuth Hoch­schule für Technik Berlin im Frühjahr/Sommer 2011. Inhaltlich ist es ein »Geschichts­fächer«, der den oftmals unsichtbaren Teil der Geschichtsschreibung behandelt und der versucht, die weißen Seiten des großen Geschichtsbuchs etwas zu füllen.
Formell ist es ein Konglomerat verschiedener drucktechnischer Verfahren und einer Menge Handarbeit. Ästhetisch aus einem Guss, mit dem Anliegen, den abgebildeten Individuen und ihrer Einzigartigkeit gerecht zu werden.
Was alle abgebildeten Ikonen verbindet ist v.a. die Tatsache, dass sie in ihrem jeweiligen gesell­schaftlich-historischem Kontext Rebellen bzw. Rebellinnen waren oder sind. Sie zettelten also jeweils einen Umwälzungsprozess an, in dem sich das Untere nach oben kehren wollte, Randständiges ins Zentrum drängte, Ausgeschlossenes auf sein Recht der Be­teiligung pochte oder aber Entrechtete um den Respekt ihrer Würde rangen bzw. ringen. [weiter lesen…]