Archiv der Kategorie 'Erlesenes'

Rebell: Camilo Torres

Rebell | Camilo Torres

Warum sollen wir streiten, ob die Seele sterblich oder unsterblich ist, wenn wir beide wissen, dass Hunger tödlich ist.*

Kreuzberg | 12.07.2016. Befreiungstheologe, Soziologie-Dozent und eigent­lich katholischer Priester, darüberhinaus Aktivist der 1964 gegründeten kolumbianischen Guerillaorganisation ELN. Eine aus heutiger Sicht höchst ungewöhnliche Kombination an Beschreibungen. Und doch, für Camilo Torres kein Widerspruch. [weiter lesen…]

Rebell: Paco Ignacio Taibo II

Rebell | Paco Ignacio Taibo II

Nein, es gibt keine alleinigen Wahrheiten, und auch keine endgültigen Kämpfe, aber es ist immer noch möglich, uns an möglichen Wahrheiten zu orientieren, im Gegensatz zu den offen­sichtlichen Nichtwahrheiten, und diese zu bekämpfen. Es ist möglich, einen Teil der Wahrheit zu sehen, sie aber nicht als solche zu erkennen. Aber es ist unmöglich, das Böse zu betrachten und es nicht als solches zu erkennen. Das Gute existiert nicht, aber das Böse, glaube ich, oder fürchte ich, schon.*

Kreuzberg | 04.05.2016. Ein Schalk in Nacken, ein dominanter Schnauzer unter der Nase, ständig eine Zigarette im Mundwinkel, umgeben von einem Buch oder einer Zeitung, erzählt uns Paco Ignacio Taibo II seine Geschichten käm­pfender Menschen mit [Selbst-]Bewusst­sein im täglichen Fahrwasser kapitalistischer Unwegbarkeiten oder politischer bzw. kultureller Enge. Es ist oftmals eine in Kriminalroman verpackte Reise über den gesamten Globus, den Spuren revolutio­närer Anliegen folgend. [weiter lesen…]

Rebell: Joe Strummer

Rebell | Joe Strummer

Well, I‘m running // police on my back
I‘ve been hiding // police on my back
There was a shooting // police on my back
And the victim, well // he won’t come back
What have I done?
*

Kreuzberg | 24.07.2015. »The Future is un­written« ist ein 2007 veröffent­lichter, montierter Dokumentarfilm über den charismatischen Sänger der britischen Punk-Band »The Clash«. Joe Strummer, Sohn eines britischen Diplomaten, starb im Jahre 2002 im Alter von 52 Jahren überraschend an einem Herzfehler, der sein Leben lang unentdeckt geblieben war. The Clash sind möglicherweise die einflussreichste britische Punkband der späten 1970er/1980er Jahre. Sie lieferten den Soundtrack einer aufbegehrenden, rebellischen Bewegung, die nicht zum Establishment gehören wollte. [weiter lesen…]

Rebell: Augustin Souchy

Rebellin | Augustin Souchy

Mein herrschaftsfreies Streben galt stets der Errichtung
einer gewaltlosen Ordnung an Stelle der organisierten
Gewalt.
*

Kreuzberg | 9.03.2015. »Die lange Hoffnung«, so der Titel eines von der Medienwerkstatt Freiburg 1983 produzierten Dokumentarfilms mit der schweizer Anarchistin Clara Thalmann und einem der bekanntesten deutschsprachigen Anarchisten, Augustin Souchy. Beide begaben sich nach Spanien, um an Orten des Spanischen Bür­ger­­krieges, der internationalen Kampf­­­front gegen den Faschismus, an denen sie selbst kämpften, Erinnerungen nachzugehen und erneut in heftige Debatten zu geraten.
Der »Student der Revolution«, wie sich Souchy selbst bezeichnete, war in der Zeit des Spanischen Bürgerkrieges im internationalen Büro der Internationalen Arbeiter-Assoziation [IAA] tätig, da er schon zu dieser Zeit autodidaktisch zahlreiche Sprachen erlernt und einige Male vor dem Putsch Francos 1936 Spanien bereist hatte. [weiter lesen…]

Rebell · Erich Mühsam

Rebell | Erich Mühsam

Ich sah der Menschen Angstgehetz,
Ich hört der Sklaven Frongekeuch.
Da rief ich laut:
Brecht das Gesetz!
Zersprengt den Staat!
Habt Mut zu euch!
*

Kreuzberg | 24.12.2012. Der Reichstag brannte am 28. Februar 1933. Knapp einen Monat nach der Macht­­übertragung auf Na­tio­­nal­sozialisten nahmen diese den Brand zum öffentlichen propagandistischen Anlass, um tausende Gegner_innen – vor allem aber Kommunist_innen – in die ersten (wilden) KZs zu verschleppen. Obwohl die Faschisten den Reichstag selbst anzündeten, wurde behauptet, es seien Kommunist_innen gewesen.
Einer der verhafteten Oppositionellen war Erich Mühsam, Anarchist, Schriftsteller und Publizist. Seit Anfang der 1930er Jahre war Mühsam Mitglied der anarchosyndikalistischen FAUD in Berlin, deren Aktivitäten er zusammen mit Rudolf Rocker publizistisch ent­scheidend mitprägte. Mühsam war v.a. bekannt durch satirische Beiträge in verschiedenen Zeitungen der Weimarer Republik. Er schrieb für den Simplicissimus ebenso wie unter dem Synonym »Tobias« für die wöchentliche Bei­lage Ulk des Berliner Tageblattes. [weiter lesen…]

Spanienkämpfer Fritz Teppich gestorben

Spanienkämpfer | Fritz Teppich

Im Laufe meines langen Lebens habe ich Nationalismus verschiedenster Schattierungen als eine der schlimmsten Verirrungen und Plagen der Menschheit kennengelernt.(…). Überall führte Nationalismus, so unterschiedlich er sich in einzelnen Facetten zeigen mochte, letztlich ins Abseits oder gar, wie in Deutschland, in tiefste Abgründe und größte Schande.

Kreuzberg | 10.3.2012. Am 25. Februar 2012 verstarb der antifaschistische Widerstandskämpfer Fritz Teppich in Berlin. Mit ihm starb der letzte in Deutschland lebende Spanienkämpfer.
Mit 18 Jahren ging Fritz Teppich nach Spanien und kämpfte bei den Internationalen Brigaden gegen den aufkommenden spanischen Faschismus. Er überlebte den Faschismus, musste jedoch feststellen, dass ein Großteil seiner Familie von den Nazis vernichtet worden war. Er ging zurück nach West-Berlin und widmete sein Leben dem Kampf für Frieden und gegen Faschismus, Nationalismus und Krieg.

»ICH BIN JUDE UND VOR ALLEM KOMMUNIST!«

Sie sind Jude …
… Angehöriger des jüdischen Volkes. Und vor allem Kommunist. Ich bleibe Jude, solange es Antisemiten gibt. [weiter lesen…]

Das System

Quito | 9.11.2010. DAS SYSTEM
das den Computer programmiert, der den Bankier aufschreckt, der seinen Botschafter anruft, der mit dem General zu Abend speist, der den Präsidenten zu sich zitiert, der dem Minister Anweisungen gibt, der den Geschäftsführer abkanzelt, der den Abteilungsleiter anschnauzt, der seinen Angestellten zur Schnecke macht, der den Arbeiter verachtet, der seine Frau mißhandelt, die ihren Sohn schlägt, der den Hund tritt.

Aus: Tage und Nächte von Liebe und Krieg | Eduardo Galeano | Peter Hammer Verlag, Wuppertal, 1978.