Türme wachsen nicht ewig, sie stürzen ein | Maya Kultur Teil 3

Maya-Stätte in Palenque | Chiapas | 27.02.2018Maya-Stätte in Palenque | Chiapas | 27.2.2018

1.3.2018 | Palenque. Imperien kommen, steigen auf und fallen in sich zusammen. So auch die verschiedenen Maya-Stadtstaaten in Mesoamerika, welches territorial gesehen Teile der heutigen Staaten Mexico, Guatemala, Belize, Honduras und El Salvador umfasst. Der Beginn der Maya-Kulturen wird auf ca. 2000 v. Chr. datiert, das Ende etwa auf das 16./17. Jahrhundert. Die Blütezeit der verschiedenen Stadt-Staaten liegt in unterschiedlichen Epochen, jedoch zwischen 600-900 n. Chr. gilt größtenteils im heutigen mexikanischen Gebiet als architektonisch und die Kriege betreffend als fortgeschrittene und intensive Phase der Maya. Ursachen für das Zusammenbrechen und Schrumpfen ehemals großer Städte inklusive ihrer vormals festgefügten hierarchischen politischen, religiösen und sozialen Strukturen werden heute durchaus kontrovers diskutiert. Möglicherweise erbringen die neuesten Laserverfahren, die es ermöglichen im Urwald vergrabene Städte ausfindig zu machen und gar 3-dimensional darzustellen, ergänzende bzw. korrigierende Erkenntnisse bezüglich der verschiedenen Ansätze.

Von oben nach unten

Brett vorm Kopf (fliehende Stirn), Hasenzähne und schielende Augen waren neben reichhaltigem Schmuck aus Jade und Federn sowie – mit heutigem Vokabular belegt – gepiersten Ohren, Lippen und Nasen u.a Schönheitsideale der herrschenden Oberschicht.
Prinzipiell waren die Maya-Gesellschaften vertikal aufgebaut, zusammengekittet über ihre kosmopolitischen Vorstellungen von der Welt, des Himmels und der Unterwelt, ausgeübt in ihrer polytheistischen Religion. Dies generierte eine Gesellschaft von Oberen, Herrschenden, die sich durch familiäre, clan-ähnliche Traditonen aufrecht erhielten. Zu dieser Oberschicht gehörten die herrschenden Familien, bestimmte anerkannte Berufsgruppen wie Architekten, (Kunst-)Handwerker, Mathematiker, Astrologen, Mediziner u.a.
Für sie waren die (heiligen) Orte rund um die Herrschaftshäuser, Tempel- und Grabanlagen vorbehalten. Hier lebte nicht der Großteil der Menschen, diese lebten außerhalb der oftmals architektonisch abgegrenzten Areale. Diese Abgrenzungen waren nicht selten Mauern. Heute würde möglicherweise das Wort der »gated communities« eine passende Beschreibung abgeben.
Die Herrschenden lebten in den Teilen der Städte, die heute als Ruinen erhalten sind, während das gemeine Volk in einfachen, aus Holz und Lehm konstruierten Häusern und Hütten lebte. Sie waren die schaffende Arbeitskraft für die Visionen der Herrschenden bzw. die konkreten Pläne der Architekten. Nach heutigen Kategorien in harter Sklavenarbeit, denn Tempel, wie der Tempel der Inschriften in Palenque, benötigten z.t über 20 Jahre Bauzeit und forderten einen hohen Schweis- und Blutzoll.
In weniger intensiven Bauphasen war die Abgabe eines Teil der Ernten als Nahrungsgrundlage für die Oberen üblich, in kriegerischen Zeiten fanden umfangreiche Aushebungen statt, um Massen an Kämpfenden zur Verfügung zu haben.
Je pompöser die Epoche, desto vertikaler die Gesellschaftsstruktur, desto mehr Ressourcen an Material und Menschen mußte auf die Beine gestellt werden. Wir finden bei den Maya eine ausdifferenzierte Klassengesellschaft vor, durchaus mit Elementen der Sklaverei.
Lesen und Schreiben der Schrift konnten in der Regel nur Personen der Oberschicht. Die Schrift der Maya, die nicht in Form eines Alphabets entwickelt wurde, sondern komplexe Bedeutungszusammenhänge abbildete, kombiniert mit einem auf 20 basierdenden Zahlensystem, wurde in Stein gemeißelt, bzw. in den letzten Phasen auch zu Papier gebracht. Vergleichbar mit heutigen Piktogrammen, die sich ebenfalls z.T. nur aus ihrem historischen Zusammenhang verstehen lassen.
Als das religiös bedeutendste Buch gilt heute das Popol-Vuh, die (vorhersagenden) Kalendarien wiederum geben Auskunft über Erntezeiten, Feiertage und Wetterlagen.
Auch in Bezug auf das Popol-Vuh gibt es eine (post)koloniale Fußnote: Insgesamt existieren noch 4 Exemplare weltweit, alle wurden verschleppt und bis heute nicht zurück übereignet. Sie befinden sich in den USA und Europa, eines gar in der BRD.

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Implosion oder Türme stürzen ein

Herrschende, religiöser Kult, exorbitante Architektur, machtrivalisierende Traditionslinien adliger Familien, Kriege und strategische Bündnisse um Territorien, schlußendlich Reichtum benötigt Ressourcen, extrahiert und umgewandelt aus der Natur und es benötigt v.a. Arbeitskraft, Soldaten; große Mengen an Menschen.
Als die spanischen Conquistadoren Anfang des 16. Jahrhunderts mit der Unterjochung der Maya begannen, ihre Kultur zerstörten und das Christentum in ihre Körper einpflanzten, waren die allermeisten der großen Maya-Stadtreiche bereits verlassen, geschrumpft bzw. dienten der Maya-Bevölkerung für spezielle spirituelle Akte und Feste. 300 Jahre zuvor entvölkerten sich die ehemals zum Himmel ragenden Prachtbauten.
Mehrere Faktoren stehen bis heute zur Diskussion, die das Ende der historischen Maya-Kultur erklären könnten. Schwindende Ressourcen für den Erhalt der auf Vertikalität aufgebauten verschwenderischen Stadtstaaten, v.a. die Abholzung z.b. zur Herstellung von Mörtelkalk und Stuck sowie einfacher Häuser bei gleichzeitiger Klimaveränderung wie anhaltende Dürreperioden, werden als Ursachen des Verfalls vermutet.
Ebenso die in den letzten Phasen vor dem Zusammenfall zunehmenden kriegerischen Auseinandersetzungen mit anderen Machtzentren, wiederum Ergebnis inneren Machtverlustes, aufgrund von Versorgungsproblemen auch größerer Teile der Bevölkerung. Dieser vermutete Hintergrund kann überdies innere (Klassen)Konflikte bedingt haben.
Für diese These spricht auch, dass die ehemals heiligen, pompösen Kerne der Städte von der Oberschicht dem Verfall überlassen wurden, während einige tausend Menschen um die vormaligen Machtzentren angesiedelt blieben bzw. sich später wieder dort ansiedelten.
Die spirituelle Ausrichtung blieb erhalten sowie die jahrhundertalten Traditionen ihrer Ausübung, aber die Kaste göttergleicher Herrscher – jahrhundertelang zwischen wenigen Famielen weitervererbt – verschwand. Übrig blieben weitesgehend kleine Ansiedlungen mit geistgen Früher*innen, die über reichhaltiges reichem medizinisches Wissen verfügten und Dorfvorstehenden.
Bleibt zu hoffen, dass die neu angewendeten Forschungsmethoden u.a. Erkenntnisse über das Leben der einfachen Bevölkerung liefert, auf dass nicht lediglich die Geschichte der Herrschenden (weiter)geschrieben werde.


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