Archiv für März 2018

Oaxaca gibt nicht auf

Holzschnitt_Oaxaca_PressefreiheitHolzschnittplakat | Historisches Zentrum Oaxaca | 20.3.2018

21.3.2018 | Oaxaca. Oaxaca zeigt sich bei unserer Ankunft gleich von seiner protestiven Seite. Wir stehen fast eine Stunde im Stau, weil es einen Parro, eine Straßensperre, einer der größeren Einfallsstraßen gibt. Wie wir später erfahren, haben Lehrer*innen ihren Forderungen Ausdruck verliehen, auch wenn wir nicht herausfinden konnten, worin diese genau bestehen. Auf dem Zocálo, dem zentralen Platz des historischen Zentrums, begegnen uns so genannte Plantones, vergleichbar mit den Protestformen der Occupy-Bewegung der letzten Jahre. Zelte, Transparente und Plastikplanen auf öffentlichen Plätzen gegen Vertreibung und Enteignung des zuvor selbst bestellten Feldes. Die verblichenen Transparente geben nicht nur Auskunft über die gesetzlich verordnete Vertreibung der Protestierenden, die blasse Schrift gibt auch Zeugnis über die Ignoranz etablierter Politik ab. In den umliegenden Straßen des historischen Zentrums, welches zum Weltkulturerbe zählt, sprechen Plakate eine deutliche Sprache. Gewalt an Frauen, das Verschwinden der 43 Student*innen, das Warnen vor dem aktuellen Gesetz der inneren Sicherheit sowie Polizeibrutalität wird auf den Holzschnittmotiven der Plakate thematisiert. Tourist*innen ziehen vorbei, die Selfie-Stange im Anschlag, bereit für das nächste selbstbezogene Selbstbestätigungsfoto…

Besetzt die Wellen

Als über 2000 Frauen unterschiedlicher sozialer Organisationen im Zentrum Oaxacas am 1. August 2006 zur Fernsehstation des Canal 9 drängten und um eine Stunde Redezeit von den Machern des Senders CORTV baten, war dies kein Zufall. Genau jener staatliche Sendekanal hatte eine mit üblem Vokabular geführte Berichterstattung über die Proteste der sozialen Bewegungen, die sich zur APPO zusammengeschlossen hatten, vom Zaun gebrochen. Die Frauen besetzten schließlich den Sender. [weiter lesen…]

Universität der Erde

Wandgemälde | Caracol Zapatista | UdlT | 05032018Wandgemälde „Caracol Zapatista “ auf dem Gelände der Universidad de la Tierra (Universität der Erde) | San Cristóbal, Chiapas | 5.3.2018

9.3.2018 | San Cristóbal de las Casas Als am 1.1.1994 die EZLN (Ejercito Zapatista de Liberación Nacional) aus dem lakandonischen Urwald der Berge Chiapas in die Stadt San Cristóbal kam, war ihr Ruf zunächst ein „Ya basta!“, es reicht. Letzter Anlaß des Aufstandes war das inkrafttretende Handelsabkommen NAFTA, zwischen den U.S.A., Canada und Mexico, welches Mexico in weniger als 20 Jahren von einem ernährungssouveränen Staat zu einem abhängigen Lebens- und Grundnahrungsmittel impotierenden gemacht hat.
Auf Pferden, bewaffnet mit Gewehren, Knüppeln und Holzgewehren nahmen die Zapatisten den Regierungspalast ein und trugen ihre Forderungen mit Pasamontañas maskiert vor; Land, Brot, Arbeit, Gerechtigkeit, Demokratie und Würde.
Politischs Ziel war es, im ärmsten Teil des Landes auf die unwürdige Situation der verschiedenen indigenen Völker/Nationen bzw. Gemeinden weltweit aufmerksam zu machen.

Die Kunstfigur Subcomandante Marcos drückte es so aus:
„Und seht doch wie die Dinge sind; damit sie uns sehen/beachten, vermummen wir unser Anlitz, damit sie uns beim Namen nennen, negieren wir einen zu besitzen, wir setzen unsere Gegenwart auf Spiel, damit wir eine Zukunft haben können; und um zu leben… sterben wir“.

Die indigene, zapatistische Bewegung existiert in der (Welt)Öffentlichkeit seit nunmehr fast 25 Jahren, hat trotz des Unwillens der „schlechten Regierung“ zu einem aufrichtigen Dialog, trotz grassierenden staatlich subventionierten Paramilitarismus‘, längst begonnen der kapitlistisch durchstrukturierten Welt den Rücken zuzukehren und eigene Ansätze aufzubauen.

Auf Empfehlung von Freund*innen besuchten wir einen dieser Ansätze, die zapatistische „Universidad de la Tierra“ der CIDECI, die im Norden am Rande der Stadt liegt. [weiter lesen…]

Türme wachsen nicht ewig, sie stürzen ein | Maya Kultur Teil 3

Maya-Stätte in Palenque | Chiapas | 27.02.2018Maya-Stätte in Palenque | Chiapas | 27.2.2018

1.3.2018 | Palenque. Imperien kommen, steigen auf und fallen in sich zusammen. So auch die verschiedenen Maya-Stadtstaaten in Mesoamerika, welches territorial gesehen Teile der heutigen Staaten Mexico, Guatemala, Belize, Honduras und El Salvador umfasst. Der Beginn der Maya-Kulturen wird auf ca. 2000 v. Chr. datiert, das Ende etwa auf das 16./17. Jahrhundert. Die Blütezeit der verschiedenen Stadt-Staaten liegt in unterschiedlichen Epochen, jedoch zwischen 600-900 n. Chr. gilt größtenteils im heutigen mexikanischen Gebiet als architektonisch und die Kriege betreffend als fortgeschrittene und intensive Phase der Maya. Ursachen für das Zusammenbrechen und Schrumpfen ehemals großer Städte inklusive ihrer vormals festgefügten hierarchischen politischen, religiösen und sozialen Strukturen werden heute durchaus kontrovers diskutiert. Möglicherweise erbringen die neuesten Laserverfahren, die es ermöglichen im Urwald vergrabene Städte ausfindig zu machen und gar 3-dimensional darzustellen, ergänzende bzw. korrigierende Erkenntnisse bezüglich der verschiedenen Ansätze. [weiter lesen…]