Rebell: Bobby Seale

Rebell | Bobby Seale

Du bekämpft Ras­sismus nicht mit Rassismus. Der be­ste Weg, wie du Rassismus be­kämpfst ist mit Solidarität.*

Kreuzberg | 03.11.2013. Gefesselt mit einem Knebel musste Bobby Seale seinem eigenen Gerichts­prozess im September 1969 in Chicago beiwohnen. Ihm wurde – zusammen mit sieben anderen – Verschwörung und Aufhetzung im Rahmen von Protesten gegen den alle vier Jahre stattfindenden Parteitag der US-Partei »Demokraten« vorgeworfen, der Ende August 1968 in Chicago abgehalten worden war.
Der Vietnamkrieg und die Protestbewegung gegen die US-amerikanische Regierung waren auf ihrem Höhepunkt. Der Prozess um die so genannten Chicago Eight/Seven war einer der bekanntesten Re­pressionsfälle in der Geschichte der Anti-Vietnambewegung.
Bobby Seale wurde schließlich zu vier Jahren Haft u.a. wegen Beleidigung des Gerichtes verurteilt. Er hatte den Richter als »Faschistenhund« und »Rassisten« betitelt. Später wurde Seale vom Prozess ausgeschlossen und die restlichen Chicago Seven freigesprochen.
Am 15. Oktober 1966 gründete Bobby Seale zusammen mit Huey Newton die Black Panther Party for Self­defense in Oakland, Seale selbst war Parteivorsitzender. Die Gründung war u.a Folge der Ermordung von Malcom X.
Im Gegensatz zur gewaltfreien Bürgerrechts­bewegung unter Martin Luther King und der religiösen schwarz-nationalistischen Nation of Islam, begriff Seale die Black Panther Party als eine explizit linke Organisation von Afroamerikaner_innen und als Schutztruppe ihrer Gemeinden gegen rassistische Übergriffe der Polizei.
Der bereits durch Malcom X geprägte Satz »Freedom by any means necessary« wurde aufgegriffen und popularisiert. Ein zehn-Punkte-Programm aus den Anfängen verdeutlicht den politischen Ansatz der Black Panther:
1. Freiheit und Selbstbestimmung
2. Beschäftigung
3. ein Ende der Ausbeutung
4. menschenwürdige Wohnungen
5. ein reformiertes Bildungssystem
6. die Freistellung vom Militärdienst
7. ein Ende der willkürlichen Polizeigewalt
8. die Freilassung aller schwarzen Gefangenen wegen Benachteiligung während der Verhandlungen
9. faire Gerichtsprozesse vor schwarzen Geschworenen und durch schwarze Ankläger sowie
10. einen Volksentscheid unter der schwarzen Bevölkerung über deren nationales Schicksal.
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Aus zunächst 100 Mitgliedern wuchs eine enorme Bewegung mit Ortsgruppen im ganzen Land. Die selbstverlegte Zeitung »The Black Panthers, Black Community News Service« stieg von anfänglich 5.000 auf bis zu 125.000 Exemplaren.
Durch das Aufstandsbekämpfungsprogramm des FBI COINTELPRO starben zwischen 1967 und 1970 nicht nur über 40 Mitglieder, die Bewegung wurde zerschlagen und zersetzt.
1974 kehrte Bobby Seale seiner Organisation den Rücken und ist heute bei »Reach!« tätig. Ein politischer Ansatz, der seinen Schwerpunkt auf Bildung und Erziehung in lokal-politischer Arbeit hat. Darüberhinaus ist er als Fernsehkoch sowie Moderator bekannt und hat zahlreiche Bücher verfasst.

Informationen
Website | Bobby Seale
Wikipedia | Bobby Seale
Wikipedia | Black Panther Party
Interview mit Bobby Seale (engl.)
Spiegel-Interview | 2007

Buchtips
Wir fordern die Freiheit | Der Kampf der Black Panther | Bobby Seale | Fischer Verlag | 1971
Die Wut des Panthers | Die Geschichte der Black Panther Party | Schwarzer Widerstand in den USA | Oliver Demny | Unrast Verlag | 2003
Black Panther | Bibliothek des Widerstands | Band 20 | Willi Baer | Laika Verlag | 2013
Black Panther: The Revolutionary Art of Emory Douglas | Sam Durant, Emory Douglas, Danny Glover, Colette Gaiter| Rizzoli | ab Februar 2014
Barbeque‘n with Bobby | Contemporary Hickory Smoke Southern Style Barbeque | Bobby Seale | Ten Speed Press | 1988

Filmtips
Panther | Spielfilm | Mario Van Peebles | 1995
Black Power Mixtape 1967 – 1975 | Musikalischer Dokumentarfilm | Göran Hugo Olsson | 2011

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Informationen zum Projekt »IKONEN ZUM ANFASSEN«

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