Rebell: Clément Moreau

Rebell | Clément Moreau

Ich war nie in einer Partei, ich bin ein menschlicher Gebrauchsgrafiker und jedermann, der meine Arbeit gebrauchen kann, dem gehört sie.*

Kreuzberg | 10.10.2012. Ausreissen, abhauen und flüchten sind Hinweise auf Eingesperrtsein, Freiheitsdrang und Verfolgung. Schon mit 11 Jahren kam Clément Moreau – nach dem Tod seiner Mutter kurz vor dem I. Weltkrieg – in ein katholisches Kinderheim, in dem ihm eine regide »preussische Erziehung« zu Teil wurde. Immer wieder riss er aus, wurde eingefangen und abgestraft.
Mit 16 ging er in die Lehre als Maler, schloss sich schon in dieser Zeit dem Spartakusbund an – es war Revolutionszeit in Deutschland – wurde aber 1919 durch Verrat seines eigenen Vaters verhaftet und erhielt sechs Jahre Zuchthaus. Nach drei Jahren und vier Monaten – die meiste Zeit in Einzelhaft – wurde er entlassen und ging 1926 nach Berlin.
Hier traf er auf linke Künstler_innen wie Käthe Kollwitz, Heinrich Vogeler und John Heartfield und begann seine Arbeit als Grafiker und Linoliumschneider.
Über seine neuen Freundschaften kam er zur Künstler_innenkommune Fontana Martina ins Tessin, wo er nach anderen Lebensformen suchte und weiterhin antifaschistisch arbeitete.
1933 entkam er knapp der Gestapo und hielt sich zunächst als Illegaler in der Schweiz auf, arbeitete nichtsdestotrotz als politischer Gebrauchsgrafiker weiter. Ein Großteil seiner Arbeiten aus Berliner Zeiten gingen verloren.
In Zürich lernte er die Antifaschistin Nelly Guggenbühl kennen, später heirateten sie. Zu dieser Zeit nahm der als Carl Meffert geborene u.a. wegen Verfolgungsdruck den Namen Clément Moreau an. Auch der Druck der schweizer Repressionsbehörden wuchs, so dass er 1935 als Staatenloser nach Argentinien ins Exil ging. Nelly folgte ihm kurz darauf und brachte 1936 die gemeinsame Tochter Argentina zur Welt. Beide beteiligten sich am antifaschistischen Kampf im Exil.
Er verdingte sich weiter als Grafiker, sie als Kinderpsychologin, was die kleine Familie ernährte. »1937 demaskieren seine Zeichnungen das damals meistgelesene Buch »Mein Kampf«, und im gleichen Jahr beginnt er seine Linolschnittfolge »Nacht über Deutschland«. In den Jahren des Krieges erscheinen seine beissenden Zeichnungen zu den jeweiligen Tages- oder Wochenereignissen in den Zeitungen Lateinamerikas.«**
Auch in Argentinien war seine linke Haltung Anlass für Zensur seiner Arbeiten und fortwährenden Problemen mit dem Staatsapparat. Die Verfolgung wurde so stark, dass die Familie ein Jahr nach Uruguay ging und dann 1961 in die Schweiz reiste – nach 26 Jahren Exil. 1962 putschte das rechte Militär in Argentinien, was eine Rückkehr der Moreaus ausschloss, sie blieben in der Schweiz, wo er als Grafiker, Theaterzeichner und Zeichenlehrer u.a. für die schweizer Gewerkschaftsbewegung tätig war. Nelly arbeitete weiterhin bis ins hohe Alter als Kinderpsychologin.
1988 starb Moreau im Alter von 85 Jahren. »Man könnte von meinem Leben eigentlich sagen: von Beruf bin ich ein Emigrant. wo ich auch hin kam, nach kurzer Zeit musste ich als Emigrant wieder weg. Einfach, man wird als Emigrant durch die Welt gehetzt.«***
Die bekannteste Arbeit von Clément Moreau ist sein Zyklus »Nacht über Deutschland«, in welchem der aufkommende Faschismus, Verfolgung und Flucht thematisiert werden. Wie auch in vielen weiteren Arbeiten spielt Verfolgung und Flucht mit starken autobiografischen Zügen eine zentrale Rolle. 

Informationen
Wikipedia |Clément Moreau
Stiftung Clément Moreau | Schweiz
Biografie / Werke zu Heimerziehung
Linolschnitt
Holzschnitt

Buchtips
Clément Moreau | Carl Meffert. | Grafik für den Mitmenschen. Deutschland | Schweiz | Argentinien. | Clément Moreau | NGBK | 1978
Nacht über Deutschland. | Schriften der Erich-Mühsam-Gesellschaft Heft 32 | Reprint | Erich Mühsam Gesellschaft | 2009
Clément Moreau: »Im Auftrag meiner Neugier« | Marion Müller-Strunk | Limmat | 1987
Annie – Die Wäscherin. . Eine südafrikanische Erzählung | Alfred Hutchinson | Anti-Apartheid Bewegung der Schweiz (Hg.) | Zürich 1983
Nacht über Deutschland. 107 Linolschnitte aus den Jahren 1937 – 1938. Mein Kampf – Zweiter Teil. | Heinrich Böll, Clément Moreau | Verlag der Neuen Münchner Galerie | 1976

Filmtips
Clément Moreau Gebrauchsgrafiker| Dokumentarfilm | Richard Dindo | Schweiz 1978

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