Correa entlässt Chef des Geheimdienstes

Quito | 26. Oktober 2010. Am heutigen 26. Oktober 2010 hat Präsident Rafael Correa den Chef des Geheimdienstes Francisco Jijón, der seit der ersten Umstrukturierung des Geheimdienstapparates 2009 das Amt inne hatte, entlassen. Der neue Geheimdienstchef ist Homero Arellano, scheidender Vizeadmiral der Marine.
Ausgelöst wurde die Maßnahme durch die Ereignisse des 30. September 2010, als protestierende Polizeieinheiten und Teile des Militärs Flughäfen schlossen, Straßensperren errichteten, Sendemasten von Fernsehsendern kappten und den Präsidenten über Stunden festsetzten, bis dieser durch Spezialkräfte der Polizei befreit wurde. Tausende von Menschen waren zur Verteidigung der Demokratie und des Präsidenten auf die Straße gegangen. Dieser Tag führte zu zehn Toten und 274 Verletzten.
»Wir sind blind, haben keine Kenntnisse, was die Arbeit des Geheimdeinstes in Bezug auf die Innere Sicherheit angeht«, musste Correa in einem ausführlichen Interview der mexikanischen Tageszeitung »La Jornada« am 25.10.2010 zugeben.
Als es im März zu einem Angriff ecuadorianischer, kolumbianischer und US-amerikanischer Spezialkräfte auf eine Camp der kolumbianischen Guerilla FARC auf ecuadorianischem Boden kam, in dessen Verlauf 25 Menschen starben, hatte der ecuadorianische Geheimdienst zu aller erst die Botschaft der Vereinigten Staaten informiert.
»An diesem Punkt wurde uns klar, dass diese Einheiten ihr Gehalt von den Vereinigten Staaten bezogen« erklärte Correa und wiederholte, dass der damalige Sicherheitschef des ecuadorianischen Staates faktisch »Angestellter der CIA war«.
In Bezug auf die jüngsten Ereignisse des 30. September 2010 sagte Correa: »Selbstverständlich gab es Verrat in verschiedenen Teilen des Geheimdienstes und der Polizei«, ebenso innerhalb des Militärs bestätigte der Präsident.
Im Verlauf des ausführlichen Interviews in »La Jornada« wies Correa erneut darauf hin, dass der ehemalige Präsident und Ex-Militär Lucio Gutiérrez (2003 – 2005) und seine rechte Partei »Sociedad Patrótica« aufgrund ihrer Verbindungen zu Militäreinheiten starken Einfluss ausüben. »Es gibt eingeschworene Gruppen mit entsprechenden Verbingungen in die Politik, die interessiert (…) die Demokratie nicht, die wollen Privilegien erhalten und ihre repressive Haltung weiterführen.«, so Correa.
Auf die Frage, inwieweit die Vereinigten Staaten in die destabilisierenden Aktionen Ende September verwoben gewesen seien, da es ja offensichtlich starke Umtriebe der CIA innerhalb der ecuadorianischen Sicherheitskräfte gäbe, stellte Correa fest: »Als Regierung, denke ich, haben die USA nicht interveniert. Wir schließen nicht die Beteiligung bestimmter Kreise aus, die auch gegen Barack Obama agieren. Hierüber habe ich keinen definitiven Beweis, aber ich schließe nicht aus, dass sie in irgendeiner Art interveniert haben. Das, was ich schon ausschließe, nicht zuletzt wegen des Vertrauens, was ich habe, ist die Beteiligung von Hillary Clinton und Präsident Obama«.

Quellen auf Spanisch: La Jornada | 25.10.2010 und La Jornada | 26.10.2010