Erste Widersprüche

Salud Mujeres
Aktion von »Salud Mujeres« | Quito | 29.9.2010

Quito | 28.9.2010. Nach 21 Stunden Anfahrt erreiche ich den Flughafen Mariscal Sucre in Quito. Benannt nach dem Marschall Antonio José de Sucre, einer der Unabhängigkeitskämpfer gegen den spanischen Kolonialismus [zwischen 1810 – 1830] und enger Vertrauter von Simon Bolivar.
Mit Verlassen des Flughafens steigt mir zu allererst der für mich typische Geruch südamerikanischer Großstädte in die Nase; bin sofort wieder da.
Ich werde von einem Freund abgeholt. Es ist etwa 9.00 Uhr morgens Ortszeit. Um 10 Uhr gibt es gleich eine Aktion von »Salud Mujeres« vor der Provinzstaatsanwaltschaft von Pichincha, der Provinz, in der Quito liegt. Das anstößige Gebäude liegt mitten im Touristenzentrum »El Mariscal« in der Nähe der Avenida Rio Amazonas. Grund: »Salud Mujeres« ist eine Intitiative, die ein kostenlose Telefonberatung für Frauen wegen der Frage der sicheren Abtreibung/Schwangerschaftsabbruch [Aborto] anbietet. Die Provinzstaatsanwaltschaft hat diese Nummer beim Telefonabieter sperren lassen. Auch im Ecuador unter dem als linksliberal geltenden Rafael Correa ist Abtreibung illegal und das Angebot der Beratung somit juristisch »Aufruf zu Straftaten«. Die soziale Realität [ungewollt] schwangerer Frauen in einem katholizistischen Land wie Ecuador führt im konkreten Fall dann zu Illegalisierung und einer hohen Gefährdung der körperlichen Unversehrtheit der Frauen. Ein Problematik, die jahrzehntelang auch in der BRD rund um den Paragraphen 218 öffentlich thematisiert wurde. In Ecuador ist es der Artikel 18 der Verfassung.
Die Aktion ist einfach wie wirksam: Ca. zehn Frauen stehen mit nackten und bemalten Körpern vor dem Gebäude, zahlreich Presse anwesend. Plaktate, bemalte Körper und Sprechchöre erklären plakativ, um was es geht. Laufend geben die Frauen vor Kameras Interviews.
Auf Passantenseite werden Handys gezückt, vor allem die äteren Frauen unter den Passant_innen beschimpfen die Aktivist_innen als Mörderinnen und lassen Jesus hochleben.
Eine halbe Stunde dauert die Aktion, begleitet ebenfalls von den Angestellten der Staatsanwaltschaft, die hinter ihren Fenstern hervorlucken, auch hier mit dem einen oder anderen Handy bewaffnet.
Erst als die Frauen ihre Aktion beenden, tauchen zwei uniformierte Beamte auf und platzieren sich vor dem Gebäude.
In den Mittagsnachrichten sind die Frauen mit ihrer Aktion vertreten.

Für mich ein gelungener Einstieg in die Widersprüche dieser Gesellschaft…

Mehr Informationen auf Spanisch bei Indymedia Ecuador hier und hier.